Sonderausstellung: “Die Schützen im Kaiserreich”
| 12. Juni 2010 00:00 | bis | 3. Oktober 2010 00:00 |
Sonderausstellung über das Schützenbrauchtum in der Zeit von 1888 – 1914
Die Schützengesellschaft und das Südsauerlandmuseum eröffnete am Samstag, dem 12. Juni 2010 die Ausstellung mit einem Serenadenkonzert auf dem alten Markt. Bilder der Eröffnungsveranstaltung finden Sie auf den Seiten der Attendorner-Geschichten hier.
Die Ausstellung ist bis zum 3. Oktober 2010 geöffnet.
In Attendorn gehört die Schützengesellschaft zu den größten und wichtigsten Vereinen der Stadt. Um die enge Verbundenheit mit der Stadtgeschichte zu unterstreichen, wird das Schützenfest als „Historisches Stadt- und Schützenfest“ gefeiert und übernimmt damit eine wichtige Funktion in der Selbstdarstellung der Bürger der Stadt.
Untersuchungen zeigen, dass Schützenfeste mit ihrem Brauchtum wie eine Bühne funktionierten auf der gesellschaftliche und politische Handelsweisen dargestellt wurden. Sie waren und sind “behilflich bei der Spiegelung einer bestimmten Sicht von der Welt. Eine Bühne auf der der Bürger sich theatralisch selbst inszeniert, das Geschichtsverständnis zur Schau stellt, und der Haltung gegenüber der Kirche, der Nation und dem Staat Ausdruck verleiht”.
Das Schützenfest in Attendorn war durch enge personelle Verbindungen zur St.Sebanstians-Konfraternität stark an die katholische Kirche angelehnt; eine Verbindung, die sich erst im Laufe des 19. Jahrhunderts lockerte. Zeitweise sah es so aus, als würde sich eine völlige Lösung von den kirchlichen Strukturen durchsetzen, dabei hinterließen konfessionelle Konflikte ebenso wie politische Dispute ihre Spuren in der Geschichte der Schützen. Die Wilhelminische Zeit vor dem Ersten Weltkrieg (1888-1914) stellte den glanzvollen Höhepunkt des Kaiserreiches dar. Kunst, Musik und Literatur wiesen bedeutende Namen auf. Wissenschaft und Technik, Universitäten und Schulen genossen hohes Ansehen. Deutschland war zu einer leistungsfähigen Industrienation geworden, mit allen sozialen und politischen Brüchen. Wilhelm II. (1857 – 1941) war die Symbolfigur dieser Epoche, er liebte die theatralisch-kriegerische Pose und die martialische Ausdrucksweise. Unter seiner Regierung wurde das vaterlandsliebende Bekenntnis zum Kaiserreich auch bei den westfälischen Bürgern und Schützen „modern“. Die Verleihung des goldenen Schützenadlers, der als Auszeichnung für nationales und kaisertreues Verhalten verliehen wurde, an die Schützengesellschaft von Attendorn im Jahre 1910, markiert aus heutiger Sicht die Entfremdung zur Kirche und steht für den Lebensstil eines patriotischen Bürgertums vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges.
Den Flyer der Ausstellung “Schützen im Kaiserreich” können Sie als .pdf herunterladen.
Besuch von Tippreporter Hermann Baldus »